Aggression als Ausdrucksmöglichkeit bei Kindern und Jugendlichen

Wie können wir besser damit umgehen?

Aggression und Gewalt bei Jugendlichen

Aggression und Gewalt bei Kindern und Jugendlichen stellen in unserer Gesellschaft ein immer größeres Problem dar und fordern die Gesundheits- und Sozialberufe stets neu heraus. Diese Problematik besteht jedoch schon seit Jahren. Ist es heutzutage tatsächlich ein ansteigendes Phänomen oder wird dies durch unsere derzeitige Gesellschaft vermehrt forciert?

Herausfordernde Situationen

Aggressives Verhalten bei Kindern und Jugendlichen bringt uns in besonders herausfordernde Situationen, in denen Hilflosigkeit und Ohnmacht herrscht, da wir die Beweggründe der Aggression oft nicht verstehen und uns Ursachen dafür nicht erklären können.

Oftmals wird die ausgelebte Aggression von Kinder und Jugendlichen als rebellisches und widersetzendes Verhalten erlebt. Ebenso wird es damit abgetan, dass die „Jugend von heutzutage“ keine sinngemäße Erziehung genieße bzw. auch kein positives Benehmen mehr an den Tag lege.

Die daraus resultierenden Fragen

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Hat ein Kind oder ein Jugendlicher es notwendig, vermehrt aggressives Verhalten an den Tag zu legen, wenn ihn/sie ein stabiles Umfeld mit haltgebenden und sicheren Beziehungen umgibt?

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Welche Möglichkeiten bieten sich Kindern und Jugendlichen, wenn sie das Bedürfnis erlangen sich den Erwachsenen mitzuteilen, wenn das reflektierte Mitteilen und „Sich-Anvertrauen-Können“ schwer fällt?

zwei junge Mädchen umarmen einander

Eine verschlüsselte Botschaft

Kind mit Plüschtier geht auf Strasse

Hinter Aggressionen bei Kindern und Jugendlichen verbirgt sich stets eine verschlüsselte Botschaft. Bei Kindern und Jugendlichen, die durch das Umfeld nicht genügend geschützt worden sind und darüber hinaus von belastenden Vorerlebnissen geprägt sind, muss man sich jedoch in Erinnerung rufen, dass Aggression nicht nur als verschlüsselt zu betrachten ist, sondern auch als sehr komplex. Nicht nur ein Reiz bzw. ein Beweggrund steht dahinter, sondern vielfache Erfahrungen und Wünsche sind in dieser Botschaft zusammenintegriert, die man oft nicht nachvollziehen kann.

Verspüren Kinder und Jugendliche nicht mehr Unsicherheit als Erwachsene? Kinder besitzen eine noch größere Sensibilität und spüren Konflikte in ihrem Umfeld mehr, als von den Erwachsenen vermutet. Wenn man Gefühle und Reaktionen nicht verstehen und begründen kann, herrscht in der Betreuungsarbeit meist große Sprachlosigkeit und Handlungsunfähigkeit.

Aggression als Kontaktherstellung

Wenn Bindungsbedürfnisse, wie Halt, Schutz und Zuneigung nicht befriedigt werden können, kommt es von Seiten des Kindes zu innerlichen Irritationen, welche die Fähigkeit des Denkens, Fühlens und Verhaltens beeinträchtigen könnten.

Über Aggression können Kinder und Jugendliche schnell und effizient in Kontakt treten, bzw. bieten aggressive Impulse eine einfache Kontaktherstellung und Suche von Hilfestellung.

Andererseits kann die Aggression die Möglichkeit eines „Schutzschildes“ bieten, in dem man agiert, bevor man enttäuscht bzw. verletzt wird. In den Vorerlebnissen des Kindes könnte eine Beziehung eine von ihm erlebte Bedrohung dargestellt haben. Dadurch könnte das Kind oder der Jugendliche im Kontakt die Kontrolle behalten und die Beziehungsgestaltung selbst bestimmen. Aggression scheint hier den Ausdruck für Unsicherheit widerzuspiegeln, man versucht aber mit dem angewandten „Schutzschild“ Schlimmer-Befürchtetes zu vermeiden.

Aggression als „Sprachrohr“

Des Weiteren bietet Aggression dem Kind oder Jugendlichen eine Möglichkeit sich mitzuteilen und auf sich aufmerksam zu machen. Vermutlich schaffte sie/er es bislang noch nicht auf adäquate Art einen Zugang zu einem Erwachsenen herzustellen, da dieser bis jetzt auch nicht funktioniert hat. Aggressives Verhalten als „Sprachrohr“ umzumünzen scheint von außen betrachtet besser, als keines finden zu können.

Es ist unerlässlich hinter diesem auffälligen Verhalten nicht auf die Persönlichkeit des Kindes zu achten. Wichtig wäre die Erkenntnis, der dahinter verborgenen Bedeutung in Bezug auf seinem Lebenskontext zu verstehen.

Eine vertrauensvolle Basis schaffen

In der Betreuungsarbeit spielt die Nachbesprechung eine wesentliche Rolle, um dem Kind Halt zu symbolisieren, Interesse zu vermitteln und gemeinsame Lösungen für zukünftige oder bzw. ähnliche Situationen zu erarbeiten. Eine vertrauensvolle Basis wird hergestellt, indem das vom Kind gezeigte Verhalten widergespiegelt wird, man jedoch ebenso die Möglichkeit einer Revidierung bietet. Wichtig ist dabei, sich in Gesprächen mit Kindern sehr offen, vertrauenswürdig und kooperativ zu verhalten und einfache Sprache anzuwenden.

Allgemein zeigen Kinder oft ein feinfühligeres Gespür im Gegensatz zu einem Erwachsenen.

Unsere Trainerinnen/Trainer bieten spezielle Kurse zum besseren Umgang mit Aggression und Gewalt bei Jugendlichen und Kindern an. Wir stehen jederzeit für Fragen und weitere Informationen zur Verfügung

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Zur Autorin

Ingrid Trausnitz ist diplomierte Sozialpädagogin und arbeitet am
Universitätsklinikum Tulln im Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie. Sie steht jederzeit für Fragen und Informationen zur Verfügung.