Sich in Authentizität, Kongruenz und Empathie üben

Kaum jemand ist sich dessen bewusst, dass durchschnittlich etwas mehr als 90 % unserer Kommunikation durch die Körpersprache stattfindet

Körpersprache & Gesagtes

Kaum jemand ist sich dessen (tatsächlich) bewusst, dass durchschnittlich etwas mehr als 90 % unserer Kommunikation durch die Körpersprache inklusive der Stimme stattfindet und nur etwa 7 % durch den Inhalt des Gesagten. Es scheint schwierig sich das vorzustellen und wird besser nachvollziehbar, wenn wir uns etwas genauer mit dieser Thematik beschäftigen.

Was versteht man unter Authentizität, Kongruenz und Empathie?

Manfred Konlechner schreibt in seinem Artikel „Was ist alles Kommunikation“ (https://nags.at/wissen/was-ist-alles-kommunikation/), dass diese mit dem ersten Eindruck beginnt, bei uns im Kopf, mit unseren Gedanken und mit unserer Geisteshaltung.

Was haben denn unsere Gedanken, unsere Haltung mit der nonverbalen Kommunikation zu tun?

Wenn wir darüber nachdenken, wie wir auf der nonverbalen Ebene auf andere wirken, so fallen uns dazu wahrscheinlich zuallererst unsere Ausdrucksweise und verschiedene Aspekte unserer Körpersprache ein.

Denken wir dabei auch an Authentizität, an Kongruenz und an Empathie?

Authentizität: Echtheit, Aufrichtigkeit, Handeln gemäss dem wahren Selbst.

Kongruenz: Übereinstimmung verbaler und nonverbaler Sprache.

Empathie: Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und Mitgefühl (nicht Mitleid!) zu haben.

Damit Kommunikation erfolgreich gelingen kann sind unter anderem Sympathie und ein Sich-Wohlfühlen aller Kommunizierenden von großer Bedeutung.
Beides kann nicht entstehen, wenn wir nicht authentisch, kongruent und empathisch sind!

Wahrnehmung des Gegenübers

Wir werden, wenn wir unter Menschen sind, ständig wahrgenommen und (grossteils unbewusst) bewertet. Immerzu bildet sich jemand einen Eindruck, eine Meinung.

Dieses Bild, welches in den Köpfen unserer Gegenüber entsteht, können wir durch ein authentisches, kongruentes, empathisches Auftreten und Verhalten maßgeblich beeinflussen, in dem wir dadurch zum Beispiel dazu beitragen, ob sich jemand im Kontakt mit uns wohl fühlt und ob uns jemand sympathisch findet.

Wussten Sie, dass uns in einem solchen Fall automatisch (und unbewusst) positive Eigenschaften zugeschrieben werden wie z.B. Fachkompetenz, Freundlichkeit und Gewissenhaftigkeit?

Identifikation mit unserer Rolle

Wenn wir uns nicht mit der Rolle identifizieren können, die wir gerade einnehmen, können wir nicht «rund laufen» und das beeinflusst maßgeblich unseren Geist und somit unser Verhalten.

Dann wird die Körpersprache nicht vollständig mit dem Gesagten übereinstimmen, was wiederum zur Folge hat, dass beim Gegenüber (oftmals unbewusst) Unsicherheit entsteht sowie das Gefühl, dass «etwas nicht stimmt».

Denken wir doch einmal an ein aufgesetztes Lächeln, dass uns jemand schenkt…. Niemand schätzt ein solches Lächeln und ein zuvor stattgefundenes Gespräch, dass vielleicht sogar sehr angenehm und positiv verlaufen ist, kann damit in Sekundenbruchteilen zunichte gemacht werden. Symapthie und Wohlgefühl, die schon bestanden haben sind mit einem Schlag weg und nur besonders schwierig zurückzuerlangen.

Wie erreichen wir Authentizität, Kongruenz und Empathie?

Je mehr wir wir selbst und dabei zufrieden und harmonisch sind bzw. sein können, je besser wir uns und unsere Gefühlswelt selbst wahrnehmen und empathisch damit umgehen, desto wahrscheinlicher (und auch automatischer) werden wir authentisch, kongruent und empathisch auftreten und auch als solches wahrgenommen.

Dann können wir in unserer Kommunikation echte Gefühle zeigen und transportieren, was unter anderem bewirken wird, dass unser Gegenüber aufmerksamer und interessierter zuhört und sich das Gesagte leichter merkt.

So können wir echtes Interesse vermitteln und  Grundbedürfnisse wie Wertschätzung, Sicherheit, Zugehörigkeit und Selbstverwirklichung ermöglichen – ein wesentliches Merkmal der gelungenen Kommunikation.

Viele konkrete Tipps, Tricks, und (bebilderte) Anleitungen gibt es bezüglich der «richtigen» Mimik, Gestik, Körperhaltung etc. und diese erscheinen als sehr hilfreich, wenn wir uns mit unserem eigenen Auftreten auseinandersetzen möchten.

Ich empfehle Bücher mit dieser Thematik zu lesen und sich selbst dabei zu hinterfragen, ob wir Neues zulassen bzw. Neues üben wollen.

Ich empfehle für eine Auseinandersetzung mit der nonverbalen Kommunikation Literatur über die Rollen und Formen der Authentizität, der Kongruenz und der Empathie (die in Büchern über Körpersprache meiner Meinung nach viel zu kurz kommen) zu lesen und dabei gut zu reflektieren.

Theorie kann unserem Verständnis sehr gut dienen, dem Geist und den Gedanken neuen Input geben und die Umsetzung von dem, was zu uns passt wird dadurch langsam und wahrscheinlich wie von selbst stattfinden.

Wahrnehmung des Gegenübers

Carl Gustav Jung formulierte dazu einen wunderbaren Satz: «Lerne alles, was du kannst über die Theorie, aber wenn du dem anderen gegenübersitzt, vergiss das Textbuch!»

Wenn wir uns in Authentizität, Kongruenz und Empathie üben wird das nicht nur zum Wohlbefinden des Gegenübers beitragen, sondern auch zu unserem eigenen!

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Zur Autorin

Nicole Matzinger ist Trainerin für Sicherheits- und Deeskalationsmanagement. Sie arbeitet derzeit in der kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz am Med Campus IV in Linz. Nicole steht jederzeit für Fragen und Informationen zur Verfügung.