Deeskalations-schulung in der Ausbildung

In der psychiatrischen Gesundheits- und Krankenpflege

Autorin: Ewa Zemann

Regelmäßig stattfindende Deeskalationsschulungen

In der Schule für psychiatrische Gesundheits- und Krankenpflege am Sozialmedizinischen Zentrum, Baumgartner Höhe in Wien finden seit 2005 Basiskurse in der Deeskalation regelmäßig und in allen Ausbildungen (3-jährige Grundausbildung für die psychiatrische Gesundheits- und Krankenpflege, ab 2006 in der 1-jährigen Sonderausbildung für die psychiatrische Gesundheits- und Krankenpflege) statt.

Die Notwendigkeit, sich mit dem Thema Aggression und Gewalt auseinander zu setzten, wurde erkannt und in die Ausbildung implementiert.

Aufbau des fünftägigen Basiskurses

Basiskurse haben in der Ausbildung einen standardisierten Aufbau: neben den theoretischen Grundlagen zum Thema Aggression und Gewalt werden praktische Übungen durchgeführt. Die theoretischen Inhalte werden an den Wissensstand der Auszubildenden angepasst, basierend auf dem Unterrichtsplan.

Zu den praktischen Übungen gehören kommunikationsgestützte Körperinterventionen, wie Basisgriffe und Befreiungsinterventionen, sowie kommunikationsgestützte Körperinterventionen im Team.

Basisgriffe und Befreiungsinterventionen werden an drei Tagen eingeübt, Interventionen im Team am Tag vier und fünf des 5-tägigen Seminars. Wiederholungen der Interventionen finden laufend statt.

Anfangs wurde die Basiswoche im dritten Ausbildungsjahr angesiedelt. Da die Schülerinnen und Schüler ihre praktische Ausbildung ab dem zweiten Ausbildungsjahr vor allem an psychiatrischen Abteilungen absolvieren, wurden die Basiskurse schon an den Anfang des zweiten Ausbildungsjahres verlegt.

Nach der Absolvierung des Basiskurses konnten die Auszubildenden im Praktikum ihre kommunikativen Fertigkeiten und Körperinterventionen einsetzen und bei Bedarf an der Intervention im Team mitwirken.

Im dritten Ausbildungsjahr werden Refresh-Tage mit Wiederholungen der Interventionen und Reflexion der Erfahrungen im Bereich Aggression und Gewalt in die Stundenplanung implementiert.

Veränderungen bei den Schülerinnen/Schülern durch Deeskalationsschulungen

Durch das regelmäßige Durchführen der Basisseminare können unterschiedliche Veränderungen bei Schülerinnen und Schüler beobachtet werden. Es entwickelt sich in den Gruppen der Schülerinnen und Schüler eine besondere Haltung gegenüber der Patientinnen und Patienten, die aggressive Tendenzen zeigen.

Die Aggressionen werden nicht mehr als Ausdruck persönlichen Verhaltens wahrgenommen, sondern als eine Form der Entwicklung gesehen. Eine Entwicklung, die häufig einen nachvollziehbaren Ursprung hat. Es wird offen darüber diskutiert, welche Ursachen das Verhalten haben kann. Viele der bekannten Ursachen haben mit den sozialen Normen und Interaktion zu tun. Am sozialen Erleben und an der Interaktion sind mindestens zwei Partizipientinnen/Partizipienten beteiligt. Im stationären Umfeld sind es die Pflegeperson und die Patientin oder der Patient. Das bedeutet, dass beide einen Einfluss auf das Miteinander haben.

 

Positive Gestaltung der Beziehung

Die Einführung der Deeskalationsschulungen in die Ausbildung kann als ein großer und bedeutender Meilenstein gesehen werden. In der Auseinandersetzung mit Emotionen und Verhaltensweisen, die jahrelang tabuisiert oder als nicht existent betrachtet wurden, sind diese Schulungen enorm wichtig.

Die Entwicklung von angemessenem Umgang mit Aggression und Gewalt, kann zur positiven Gestaltung der professionellen Beziehung zwischen Patient/Patientin und dem betreuenden Team beitragen.

Selbstsicherheit gewinnen

Am Anfang eines Basiskurses ist oft zu beobachten, dass Schülerinnen und Schüler ängstlich sind und den eigenen Fähigkeiten nicht vertrauen.

Erst im Verlauf des Seminars erkennen sie, dass sie unabhängig von Trainingszustand des Körpers Strategien entwickeln und einsetzten können, die zu einer Deeskalation der Situation beitragen. Diese Erkenntnisse können gewonnen werden, wenn die Trainerinnen und Trainer unterschiedliche Unterrichtsmethoden anwenden. Am meistens bewähren sich Rollenspiele, in denen Situationen und Strategien nachgestellt werden.

In den Trainingseinheiten haben die Auszubildenden auch die Möglichkeit zu erkennen, wo ihre Stärken und ihre Schwächen sind. Sie finden die ihnen am besten passende Rolle im Deeskalationsprozess.

Das Finden der eigenen Rolle in der komplexen Deeskalationssituation beeinflusst positiv das Sicherheitsgefühl, den Selbstwert und Selbstwirksamkeit.

Schülerinnen und Schüler treten selbstbewusster auf, sprechen offen die Problematiken an und zeigen mögliche Lösungsstrategien auf.

Erkennen der Bedeutung der primären Prävention

Diese Erkenntnis bewirkt bei den meisten Schülerinnen und Schüler, dass sie beginnen aktiv an der Beziehungsgestaltung zu Patientinnen und Patienten zu arbeiten. Sie erkennen die Bedeutung der primären Prävention von Aggression und Gewalt im stationären Kontext und beteiligen sich aktiv daran.

Erkennen der Bedeutung der primären Prävention

Diese Erkenntnis bewirkt bei den meisten Schülerinnen und Schüler, dass sie beginnen aktiv an der Beziehungsgestaltung zu Patientinnen und Patienten zu arbeiten. Sie erkennen die Bedeutung der primären Prävention von Aggression und Gewalt im stationären Kontext und beteiligen sich aktiv daran.

Die eigene Emotionalität reflektieren

Da aggressive Krisen auch eskalieren können, wird ebenso an den sekundären und tertiären präventiven Maßnahmen gearbeitet, um den Verlauf positiv zu beeinflussen, wenn möglich sogar zu verändern.

Der offene Umgang mit den lang tabuisierten Themen Gewalt und Aggression ermöglicht den Auszubildenden ihre eigene Emotionalität zu reflektieren und sich mit der Emotionalität einer anderen Person auseinander zu setzten.

Von großer Bedeutung ist, dass die Schule für psychiatrische Gesundheits- und Krankenpflege in Wien ein besonderes Augenmerk auf die emotionale Entwicklung der Auszubildenden legt. Jemand, der sich ihrer/seiner eigenen Gefühle bewusst ist, kann in unterschiedlichen Betreuungssequenzen authentisch und ehrlich auftreten und so zur positiven Beziehungsgestaltung beitragen.

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Zur Autorin

Ewa Zemann ist stellvertretende Obfrau des Vereins NAGS Austria und arbeitet seit 1991 im psychiatrischen Bereich. Sie steht jederzeit für Fragen und Informationen zur Verfügung.