Embodiment

Der Körper als Spiegel der Seele

Autorin: Ursula Fiala

Wie wichtig ist eine gute Körperhaltung?

Embodiment bedeutet übersetzt „Verkörperung, Inkarnation“ und beschäftigt sich damit, zu erkennen, welche Gefühle und Eigenschaften wir unserer Mimik, Gestik und Körperhaltung zuschreiben. Der Umkehrschluss ergibt, dass wir durch Veränderung unserer Körperhaltung Emotionen beeinflussen können.

Das Wechselspiel zwischen Körper, Psyche und Umwelt

Ein chinesisches Sprichwort sagt in etwa „Beginne zu lächeln und du wirst dich besser fühlen“. Oder umgekehrt – wenn wir den ganzen Tag in uns zusammengesunken oder gar missmutig herumlaufen, werden wir uns über kurz oder lang auch genauso fühlen.

Wissenschaftliche Ansätze zu Embodiment zeigen auf, dass es ein Wechselspiel zwischen Körper, Psyche und Umwelt gibt. Alles, was wir erleben und was in unserer Großhirnrinde abgespeichert wird, wird auch in allen anderen Zellen des Körpers abgespeichert und wirkt sich in Folge unweigerlich auf unsere Psyche, unseren Gemütszustand aus.

Mann mit Kopfhörer lächelt

Sehe ich die Welt durch eine rosarote Brille?

Frau mit rosa Brille

Nein, ich bin nicht jemand, der die ganze Welt mit der rosaroten Brille sieht und ich verkaufe Ihnen auch nicht, dass es nur an Ihnen liegt, „deines Glückes Schmied“ zu sein. Ich mache Ihnen nicht weiß, dass alles sofort gut wird, wenn Sie von jetzt ab positiv denken. So easy ist es dann doch nicht.

Die krampfhafte Suche nach dem Glück kann eine ziemliche Einbahnstraße sein und erst recht viel Stress auslösen.

Unsere Stimmung wirkt auf Mitmenschen

Ich glaube daran und inzwischen lässt es sich auch wissenschaftlich beweisen, dass uns unser Körper erkennen lässt, wie wir uns fühlen, auch wenn uns das nicht immer bewusst ist. Und ich bin überzeugt, dass es sich auszahlt, unsere Körperhaltung bewusster wahrzunehmen und zu erkennen, wie wir gerade auf andere Menschen wirken.

Das bedeutet nicht, dass es uns wichtig sein muss, wie wir auf andere wirken, aber dass unsere Stimmung auf unsere Mitmenschen abfärbt und deren Stimmung auf uns, das sollten wir uns eingestehen.

Glauben Sie jemandem, der Ihnen aufrecht gehend und mit einem Lächeln im Gesicht entgegenkommt, dass er nicht lebensfroh ist? Nehmen Sie Ihren Freunden ab, wenn sie in sich zusammengesunken mit hängenden Armen herumstehen, dass sie gerade Bäume ausreißen könnten?

Und so, wie wir andere mit unserer guten oder schlechten Laune anstecken können, geht das auch bei uns selbst.

Kennen Sie die Sendung „Fit mit Philipp“ mit Philipp Jelinek in ORF 2 um 09:05 Uhr?

Philipp Jelinek ist derzeit der Fitnesstrainer der Nation, von Kleinkindern ab dem 2. Lebensjahr bis zu Senior*innen im hohen Alter lassen sich die Menschen von ihm zu Bewegung motivieren. Tatsächlich fühlt man sich besser, wenn man 20 Minuten in die eigene Gesundheit investiert. Einerseits, weil man sich eben 20 Minuten bewegt hat (wenn wir uns bewegen, bewegt sich auch etwas in uns).

Andererseits, weil uns Herr Jelinek in diesen 20 Minuten immer wieder suggeriert, dass wir aufrecht stehen, tief einatmen, den Bauch einziehen und anspannen, den Kopf anheben und lächeln sollen.

Kurz gesagt: Körperhaltung macht Stimmung!

Diese Fähigkeit, seinen Körper ganz bewusst zur Regulation des psychischen Wohlbefindens einzusetzen, kann helfen, die eigene Stimmung für wichtige Situationen vorzubereiten.

Ein gutes und gesundes Körpergefühl ist die Basis für unser Wohlbefinden. Es ist also höchste Zeit, einem so wichtigen Erfahrungsinstrument wieder mehr Beachtung zu schenken: unserem Körper.

 

Mann und Frau meditieren

Eine nicht vorteilhafte Körperhaltung

Mann schaut auf Handy

Ist Ihnen bewusst, in welcher Haltung viele von uns auf das Handy schauen? Der Körper verharrt in gebeugter Stellung, Kopf nach unten, oft stundenlang. „Bewegen“ wir uns durch den digitalen Alltag also selbst zur Lustlosigkeit?

Den Körper bewusst aufzurichten und körperliche Bewegung zur Routine zu machen, kann helfen sich motivierter, fröhlicher und positiver zu fühlen. Mit einer aufrechten Haltung symbolisieren wir Offenheit, Freude und Bereitschaft.

Embodiment-Übungen für den Alltag

  • Eine aufrechte Körperhaltung unterstützt das Durchhaltevermögen und kann Ihre Stimmung verbessern. Bevor Sie also bei der Arbeit, beim Sport oder in anderen Situationen die Motivation verlieren oder aufgeben wollen, senden Sie durch eine stolze, aufrechte und fröhliche Körperhaltung positive Impulse an das Gehirn. Das sollte einen neuen Energieschub bringen.
  • Nutzen Sie alle Bewegungsrichtungen Ihres Körpers – in einem flexiblen, bewegten Körper kann sich ein gesunder und flexibler Geist besser ausbreiten.
  • „Tun Sie, als ob!“ – Lachen Sie einfach mal laut oder legen Sie einen kurzen Freudentanz hin. Ihr Körper nimmt die Anregung sicher auf – dafür muss man sich nicht schämen.
  • Akzeptieren Sie, wenn es Ihnen einmal nicht so gut geht. Nehmen Sie Ihre Gefühle wahr, schauen Sie, was Sie brauchen, damit es Ihnen wieder besser geht. Versuchen Sie aber nicht, krampfhaft glücklich zu sein.

Versuchen wir es!

Mit einiger Übung können wir positive Veränderungen in unsere Haltung und somit auch in unser Denken bringen.

Einen Versuch wäre es wert, oder?

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