Wirkung von Architektur

Teil 1

Auswirkung von Architektur auf Personal und Patient*innen

Beeinflusst Architekur unser Wohlbefinden?

Wie wirken sich bauliche Gegebenheiten von Gesundheitseinrichtungen und Krankenhausstationen auf das Wohlbefinden von Menschen aus, die sich darin aufhalten?

Kann Architektur gesundheitsfördernd wirken und in schwierigen, krisenhaften Lebenssituationen Wohlbefinden fördern

Ja!

Inwieweit kann die Architektur Verhalten von Menschen beeinflussen?

Vielschichtig!

Ein Denkanstoß ohne Anspruch an Evidenz!

Gestaltung von Krankenhäusern

Krankenhäuser werden in der Gesellschaft oft noch sehr steril, mit gekalkten weißen Wänden, Geruch von Desinfektionsmittel und kahlen Gängen wahrgenommen. Meist drängt sich ein Gefühl des Unbehagens auf. Ein Krankenhaus wird kontaktiert, wenn sich der Mensch in einer misslichen Lage befindet und/oder gesundheitliche Probleme hat. Dies geht oft einher mit krisenhaften Lebenssituationen. Umso wichtiger ist es Bereiche so auszustatten, dass das Wohlbefinden gefördert und Unbehagen minimiert wird.

Allgemein anerkannt ist, dass bewohnbarer Raum unterschiedliche Auswirkungen auf das Verhalten von Menschen hat und unter Umständen Stress und auch Aggression fördern kann.

Kalter Wartebereich

Architekturpsychiologie

Sechs Menschen diskutieren

Architekturpsychologie ist ein Teilbereich der Umweltpsychologie und beschäftigt sich damit, wie Gebäude und Einrichtungen auf Menschen wirken. Dabei ist es wichtig den kulturellen Hintergrund bei der Gestaltung von Räumen zu berücksichtigen. Z.B. bevorzugen Menschen in Nordeuropa helle Räume mit Ausblick, während im Süden dies eine untergeordnete Rolle spielt. Gute Architektur sollte, den kulturellen Hintergrund der Nutzer*innen erkennen, hinterfragen und aktiv einbeziehen.

Architekturpsychologie rückt seit Beginn des 20. Jahrhunderts vermehrt in den Fokus bei der Neugestaltung von Gebäuden. Verhaltensforschung, Psychologie und Soziologie entwickelten das wissenschaftliche Fundament dieser Fachrichtung.

Auswirkung auf das Verhalten von Menschen

Bevor Umbauarbeiten in Krankenhaus-, Gesundheitseinrichtungen gestartet werden ist es wichtig, eine systematische Analyse durchzuführen, welche sich nicht nur auf Praktikabilität und Kostenminimierung reduzieren.

Wir wissen, dass Aggression und Gewalt ein herausforderndes Thema in Kinderambulanzen, Zentralen Notaufnahmen und der Psychiatrie sein kann. In den Gesundheitseinrichtungen rückt diese Herausforderung vermehrt in den Fokus und Sicherheitsfaktoren werden wichtiger.

Aus der Literatur ist wie oben beschrieben bekannt, dass sich Umgebung und Architektur auf das Verhalten von Menschen auswirkt. Dazu gibt es Forschung und Evidenz und bei Umbauarbeiten ist jeder gut beraten, das Wissen von Nutzer*innen, Berater*innen für Deeskalations- und Sicherheitsmanagement und der Architekturpsychologie einzubeziehen.

Durch eine längere Nutzungsdauer von Einrichtungsgegenstände oder durch gut durchdachte Ablaufprozesse können nachhaltig Kosten gespart werden.

Das Gefühl der sicheren Umgebung lässt Mitarbeiter*innen länger in der Organisation verweilen. Diese Sicht auf Sicherheitsaspekte vorausschauend in die Raumplanung einzubeziehen, wirkt primär präventiv und lässt problematische Situationen erst nicht entstehen.

Technisch und wirtschaftlich verantwortliche Rollenträger sind gut beraten hier einen Weg zu gehen der kompetentes Wissen einbezieht. Experten*innen (Nutzer*innen, Berater*innen für Deeskalations- und Sicherheitsmanagement und Architekt*innen) wollen gefragt werden!

Architektur eine Frage der Wahrnehmung?

Durch die Anordnung von Raum und Farbe wird ein Gebäude positiver empfunden und Arbeitsabläufe werden erleichtert.

Menschen reagieren abhängig von ihrer Lebenssituation unterschiedlich und wenn Gebäude genutzt werden, ist es wichtig zu fokussieren, welcher Zweck erfüllt und welche Aufgaben bewältigt werden sollen.

Stilvoller Tisch mit Sessel

Jede Fachrichtung benötigt ihre eigene Architektur

Türausgang

Die Planung für eine chirurgische Station muss somit anders sein, als der Bau einer psychiatrischen Station. Bei einer psychiatrischen Station ist eine Zielgruppe betroffen, deren Bedürfnisse nicht dem Durchschnitt der Gesellschaft entspricht – Architekt*innen müssen die Bedürfnisse der Zielgruppe und der Personen die darin arbeiten und verweilen genau erkunden und dann entsprechend umsetzen.

Architektur kann präventiv gegen Aggression wirken

Architekt*innen müssen bei der Planung von Räumen die psychologische Wirkung kennen und beachten. Die wichtigsten Zusammenhänge wurden im Architekturstudium vermittelt. Es ist unstrittig, dass der sogenannte gebaute Raum unser Verhalten beeinflusst. Räume können das Wohlbefinden fördern oder das Gegenteil bewirken. Räume beeinflussen unser Fühlen und Denken und unser Sozialverhalten.

Die Auftraggeber*innen widmen diesem Zusammenhang leider zu wenig Aufmerksamkeit. Sie ahnen nicht, welche Auswirkung ein schlechter Entwurf auf den Lebensalltag der Nutzer*innen hat.

Gute Architektur wirkt im Sinne der eigenen seelische Gesundheit und wirkt präventiv gegen Aggression und Gewalt.

Zufriedenheit bei der Gestaltung von Lebensraum

Das Errichten und Planen von Gebäuden ist das Gestalten von Lebensraum, der auf die Nutzer*innen zugeschnitten sein muss. Gelingt dies, entsteht mehr Zufriedenheit und mehr Erfolg im Outcome.

In Bezug auf positive psychologische Wirkung bleiben Neubauten im Gesundheitsbereich oft hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Dies zu ändern bedarf einer offenen Kommunikation und einem Entwicklungswillen.

Fortsetzung folgt im Juni-Blog.

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