„StoPpen“ wir gemeinsam Gewalt gegen Frauen und Kinder!
Was können Männer dagegen tun?
Autor: Stefan Weißensteiner
Eine Betrachtung aus Väter-, Männer- und Trainersicht
„Warum soll ich da was machen, wenn ich doch eh keine Frauen schlag?“ oder „Ich bin eh nicht wie die…“ oder ähnlich lauten Aussagen von Männern die Gewalt gegen Frauen und Kinder ablehnen. So weit, so gut. Doch ist es damit getan? Geht da nicht mehr und darf das verlangt werden? Ist ein mutiges Auftreten, Dagegen aussprechen oder „Wie meinst du das genau?“ möglich oder schon zu viel verlangt?
Ein Anfang ist gemacht…
Ein Positivbeispiel war die Männerdemonstration gegen Männergewalt an Frauen. Erstmals im März 2026 organisiert hat sie der von multiplen Gewalterfahrungen im Aufwachsen geprägte Manfred Zeisberger (Männer gegen Gewalt an Frauen! – Männer gegen Femizide/ Frauenmorde!) Hunderte Männer folgten ihm vors Parlament.
Einen eigenen Männerbereich zum mutigen Aufstehen widmet sich die Männerarbeit von StoP Österreich. Unter www.stop-partnergewalt.at/maennerarbeit/ können Aktivitäten erlebt, mitdiskutiert und gestaltet werden.
Mit folgender Eigenbeschreibung bringen die dort engagierten Männer ihr Anliegen auf den Punkt:
„Wir sind engagierte Männer, die sich gegen Partnergewalt stark machen.
Männer, die erkannt haben, dass ein gewaltfreier Bezirk für alle besser ist.
Männer, denen es nicht reicht, kopfschüttelnd die Zeitung zu lesen und zu denken, dass das doch furchtbar ist, wenn wieder eine Frau umgebracht wird.
Männer, die sich aktiv einsetzen möchten für eine gute Nachbarschaft.
Männer, die schnell und entschlossen handeln wollen, wenn es nebenan nach Gewalt klingt und die dann genau wissen wollen, was zu tun ist!
Hinweis: Wir sind keine Selbsthilfegruppe für Täter, die versuchen, nicht mehr gewalttätig zu sein. Wir engagieren uns für die Gewaltprävention in der Nachbarschaft.“ (www.stop-partnergewalt.at/maennerarbeit/ vom 24.4.2026).
Am Stammtisch: „Najo, so arg wie du immer redest, ist es jetzt auch nimmer…!“
Stimmt das, steigern sich manche Frauen und Männer vielleicht zu viel hinein? Ist das Thema nur medial aufgebauscht?
Betrachten wir die leider erschreckenden, realen Zahlen und Daten dazu:
Mit Stand 11.05.2026 verzeichnen die autonomen österreichischen Frauenhäuser (AÖF) die traurige Bilanz von 11 Femiziden und 28-mal bekannt gewordener schwerer Gewalt gegen Frauen. Weitere Details und Zahlen sind unter www.aoef.at/index.php/zahlen-und-daten/femizide-in-oesterreich verlinkt.
Folgende Begriffsbestimmung ruft die Tragweite des Begriffs in Erinnerung und rückt zurecht, was trauriger Fakt ist. „Der Begriff Femizid bezeichnet die Tötung von Frauen und Mädchen, aufgrund ihres Geschlechts. Er macht sichtbar, dass viele Tötungsdelikte an Frauen nicht zufällig geschehen, sondern Ausdruck struktureller Ungleichheit, patriarchaler Machtverhältnisse und geschlechtsspezifischer Gewalt sind. Femizide gehören daher zu den Hassverbrechen“, so die AÖF 2026.
„63 Milliarden € kostet patriarchale Männergewalt und die damit einhergehenden Folgekosten (Krankheit, Gefängnisse, Drogenkonsum, Wirtschaftskriminalität, Therapie etc.) in Deutschland jährlich!!“ (Christoph May, Wels 10/2025 aus Boris von Heesen, D. Wirtschaftswissenschaftler, Männerberater, Autor des Buchs „Was Männer kosten“).
In Österreich kostet „Gender based Violence“ gerundet 7,3 Milliarden € (laut EIGE, 2021, S. 22). Die europäische Trainingsplattform gegen häusliche Gewalt liefert ebenfalls viele Daten. Für Mitarbeiter*innen der Exekutive, der Justiz und des Gesundheitssektors stellt die Homepage Trainings- und Lehrmaterial zur Verfügung. Hier der Link: Daten und Statistiken in Österreich – Online training materials on violence

Veränderung beginnt bei mir, in meiner Beziehung, Ehe, Partnerschaft…

Bin ich bzw. ist meine Partnerschaft oder Ehe von Gewalt betroffen? Grenzverschiebungen, Übergriffe und Auseinandersetzungen beginnen schon weit früher als gedacht. Sexuelle Belästigung beginnt mit sexistischen Witzen, „Ausziehen mit den Augen“ und Abwertungen schon viel früher als angenommen. Bis eine Tätlichkeit stattfindet, ist meist schon viel von wenig beachteter oder bekannter Gewalt passiert.
Wie kann ich das (bei mir) erkennen? Hier bietet das sogenannte Gewaltmaßband von StoP Vorarlberg ein Anschauungsmaterial zum „Bemessen“ der persönlichen Situation.
Dies kann als Diskussionsgrundlage in Männerrunden, am Stammtisch, bei Familientreffen oder Vereinstreffen oder ähnlichen Zusammenkünften zu diversen Positionen führen. Das Reden darüber bringt das zugegeben belastende Thema in die Mitte der Gesellschaft. Doch das ist der Ort des Geschehens! Hier kann Selbstreflexion beginnen, die nötig ist, um sich ehrlich damit auseinanderzusetzen. War oder bin ich grenzüberschreitend, verletzend oder gewalttätig (gewesen)? Wie verlaufen Streitgespräche und emotional fordernde Zeiten in meiner Beziehung?
Wie sehe ich Alltagssexismus und scheinbar „harmlose Witze gegen Frauen“. Meist steigert sich die Herabwürdigung in geschlossenen Gruppen und wird scheinbar zur Normalität. Hier ein starkes, mutiges „Halt, Stop“ oder „Wie meinst du das genau?“ einzubringen, fordert sehr, bringt aber viel. Persönlich wie gesellschaftlich. Und schlussendlich auch wirtschaftlich! Männer: leben und zeigen wir Zivilcourage gegen Gewalt gegen Frauen und Kinder! Papas, Opas, Onkel oder Paten: alle Männer sind gefragt!
Alternative Ideen und sichtbare Zeichen von Männern sind gefragt.
Dies unterstützte der Fußballklub SK Sturm Graz mit seinem internationalen Trikot in Rotterdam/NL im Jänner 2026 in der Europa League. Auf der Homepage beschreibt es der Fußballverein wie folgt: „Mit dem Slogan „STOP VIOLENCE AGAINST WOMEN“ setzen die Sturm Graz Kicker ein unübersehbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen und machen zugleich auf die wertvolle Arbeit der Frauenhäuser aufmerksam. Die steirischen Frauenhäuser arbeiten seit über 40 Jahren im Bereich Gewaltschutz und Gewaltprävention“ (www.sksturm.at vom 24.4.2026).
Auch der österreichische Fußballbund (ÖFB) engagiert sich mit „unseren Kickern“ in Bezug auf das Aufzeigen, dass Gewalt keine Chance hat. Ebenso macht sich die Österreichische Fußballbundesliga dafür stark und macht im gesamten Monat Oktober auf die Fairplay Aktionswochen aufmerksam: „Gewalt ist kein Spiel. Schau nicht zu bei Gewalt, Sexismus und Hass“.
Die fairplay Aktionswochen für Vielfalt im Fußball finden seit 2001 jährlich im Oktober statt. Umgesetzt werden sie in Zusammenarbeit mit fair-play Initiative für Vielfalt und Antidiskriminierung sowie der Österreichischen Fußballbundesliga.
Damit werden Kinder und Jugendliche durch ihre Idole motiviert, nachzudenken, Gewalt keine Chance zu geben und sich zu positionieren.
Gewaltprävention, Sensibilisierung und das mutige Ansprechen von Gewalt in der Gesellschaft kann und muss erlernt werden. Das hilft uns allen.
Sensibilisierte Erwachsene können für Kinder und Jugendliche die wichtige Vorbildwirkung einnehmen. Und bitte noch stärker auftreten, öffentlich oder im privaten, so meint der Autor!
Also Männer, stehen wir auf und setzen uns proaktiv gegen Gewalt an Frauen und Femizide ein!
P.S.: Schon im März und April 2025 wurden hier themenverwandte Blogs verfasst.
Bildmaterial laut Autor vom StoP Projekt Perg und der Frauenberatung Perg zur Verfügung gestellt.
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