Die Wochenbettdepression

Wenn Glück und Traurigkeit kollidieren…

Wochenbettdepression oder Babyblues?

Die Wochenbettdepression wird in der medizinischen Fachsprache als postpartale bzw. postnatale Depression bezeichnet. Diese Form der Depression betrifft vor allem Mütter – vereinzelt jedoch auch Väter – in den ersten 12 Monaten nach der Geburt ihres Babys.

Eine Wochenbettdepression sollte nicht mit dem sogenannten Babyblues verwechselt werden. Ungefähr die Hälfte aller Mütter ist davon in den ersten drei bis fünf Tagen nach der Geburt ihres Babys davon betroffen.

Was ist der Babyblues?

Charakteristisch für den Babyblues sind starke Stimmungsschwankungen sowie ein deutlicher Stimmungsabfall. Die frischgewordenen Mütter fühlen sich in der Regel sehr müde, erschöpft und traurig. Auch eine erhöhte Empfindsamkeit und Sensibilität wird beobachtet. Die betroffenen Frauen brechen oft ohne erkennbaren Grund in Tränen aus, weshalb der Babyblues umgangssprachlich auch als „Heultage“ bezeichnet wird.

Im Vergleich zu einer Wochenbettdepression treten diese Symptome aber nur kurzzeitig sowie mit nur einem leichten Verlauf auf. Sie verschwinden nach wenigen Tagen wieder von allein. Sollten die Babyblues-Symptome nach spätestens zwei Wochen noch immer nicht abgeklungen sein, ist es wichtig, eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen, um eine mögliche Wochenbettdepression frühzeitig zu erkennen und richtig zu behandeln. Die Ursache für den Babyblues liegt im gestörten Hormonhaushalt der Frau nach der Entbindung. Die Hormone Östrogen und Progesteron fallen rapide ab. Dies führt zu den oben genannten Symptomen. Mit der Stabilisierung des Hormonhaushalts verschwinden in der Regel die Symptome eines Babyblues. Das bedeutet, dass beim Babyblues im Normalfall keine Behandlung nötig ist.

Frau unter Bettdecke

Mehr als Babyblues –

eine Wochenbettdepression erkennen und ernst nehmen

Frau verzweifelt hinter Glas

Bei der postpartalen Depression ist es jedoch ratsam, dass Betroffene sich einer professionellen Behandlung unterziehen, um eine Chronifizierung der Erkrankung zu vermeiden.

Bis zu 15% der Frauen erkranken in den ersten 3 Monaten nach der Geburt an einer Depression.

Bei der Entstehung einer Wochenbettdepression spielen mehrere Faktoren hinein, die noch nicht umfassend geklärt werden konnte. Einen sehr großen Anteil nimmt die hormonelle Umstellung während Schwangerschaft und Stillzeit ein. Aber auch schwierige familiäre Verhältnisse, Erfahrung von traumatischen Erlebnissen und Gewaltausübung gegenüber der Frau zählen zu möglichen Risikofaktoren. Finanzielle Engpässe und mangelnde Unterstützung durch die*den Partner*in und Familie begünstigen die Entstehung einer Wochenbettdepression. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die eigene Resilienz, die einerseits erblich bedingt ist, aber auch durch Lebenserfahrungen geprägt wurde. Vulnerable Personen haben eine weniger stark ausgeprägte Widerstandskraft.

… eigentlich sollte ich doch glücklich sein?!

Einige typische Anzeichen sind eine anhaltende getrübte Stimmung, häufiges Weinen, Desinteresse am Kind und der Familie bzw. Dingen, die bisher Freude bereitet haben. Panikattacken und Angstzustände können hinzukommen, genauso wie Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen, Appetit- und Antriebslosigkeit sowie Erschöpfungszustände. Körperliche Anzeichen sind signifikante Gewichtsveränderungen, Herzrasen und Schwindelzustände.

Zudem kommt es zu starken Schuldgefühlen gegenüber dem Baby. Betroffenen Müttern fällt es schwer, sich um das Baby zu kümmern und einfühlsam zu sein. Das bereitet ihnen große Sorgen. Es können auch Gedanken auftreten, sich selbst zu verletzen oder dem Baby zu schaden. Diese Gedanken sind meist zwanghaft. Das bedeutet nicht, dass es zu einer Selbst- oder Fremdschädigung kommen muss. Dennoch ist es wichtig, bei Belastung durch die Situation und Auftreten von Symptomen rasch ärztliche Hilfe zu suchen.

Sollten Sie oder Angehörige diese Symptome bei sich entdecken, scheuen Sie nicht das Gespräch mit Ihrem Hausärzt*in, Ihrer Gynäkolog*in oder Psychotherapeut*in zu suchen. Das Ausmaß der Depression entscheidet über die möglichen Behandlungswege. So reicht bei leichten Formen der Wochenbettdepression mehr praktische Unterstützung im Haushalt sowie bei der Babypflege. Diese Unterstützung kann von der*dem Partner*in, von anderen Familienangehörigen, Freunden oder auch von der Hebamme kommen. In vielen Fällen kann es auch sinnvoll sein, über eine Haushaltshilfe oder ein Kindermädchen nachzudenken. Auf diese Weise werden alle Familienmitglieder entlastet und können in aller Ruhe am familiären Zusammenhalt sowie an der Zukunftsplanung arbeiten.

In schweren Fällen braucht es eine psychotherapeutische Behandlung, um die Symptome der Wochenbettdepression zu lindern.

Hilfe zur Selbsthilfe – warum Mütter mehr als nur Schlaf benötigen

Nur in den seltensten Fällen sollte eine Mutter von ihrem Kind aufgrund einer postpartalen Depression getrennt werden. Die Stillbeziehung ist für beide wichtig. Die ausgeschütteten Hormone können zu einer Linderung der Symptomatik beitragen.

Empfehlenswert ist körperliche Bewegung wie beispielsweise ein Spaziergang in der freien Natur, denn dieser hat sehr positive Effekte auf das psychische Wohlbefinden.
Körperliche Bewegung oder ein sanftes Yoga- und Achtsamkeitstraining kann von negativen Gedanken ablenken. Physische Aktivität fördert auch die Ausschüttung von sogenannten Glückshormonen im Gehirn.

Darüber hinaus sollten betroffene Frauen ihrem Umfeld klar kommunizieren, in welchen Alltagssituationen sie sich mehr Unterstützung und Entlastung wünschen.
In Selbsthilfegruppen können sich die betroffenen Mütter mit anderen Frauen über die Erkrankung austauschen und zudem viele nützliche Tipps für den Umgang mit dem Baby erhalten. In solchen Gruppen können die Frauen auch soziale Kontakte aufbauen.

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