Geisteshaltung – Spielregeln

Wir sind das System – sind wir die schwierigste Person darin?!

Ein Beweis dafür: das alte Rom

Rom, kurz vor seinem Untergang, hatte nahezu keine Feinde mehr, Grenzen wurde bewacht und abgesteckt, Länder und Menschen wurden erobert und in diversen Geschichtsbüchern wird auch ein Wohlstand bei Sklaven beschrieben (was das jetzt auch immer heißen soll). Warum ist dann dieses Reich zu Bruch gegangen?

Das Römische Reich ist auf Grund von bürokratischem Reglement, Gesetzen, Verordnungen, Richtlinien etc. zerbrochen.

„Wie isst man einen Elefanten? Richtig, Stück für Stück.“ – dieser Satz ist von meiner Oma

Und Stück für Stück, anfangs langsam und dann recht schnell, zerbrach das Römische Reich.

„Kinder machen nicht das was wir sagen, sondern das was wir tun!“

dies ist eine Aussage von Jesper Juul

Das bedeutet, dass wir nicht Regeln oder Gesetze zusammen tragen sollen, sondern eine Liste an Verhaltensweisen, die wir vorleben können. Sie sollen nachgelebt werden können, um dem Broken Window-Syndrom im Zusammenleben keine Chance zu geben!

Hier eine Auflistung von Kommunikationsregeln, die das Miteinander einfacher gestalten können. Natürlich sind die folgenden Punkte auch in Akut-/Gewaltsituationen anwendbar. Jedoch sind Deeskalationsmaßnahmen den therapeutischen, pädagogischen und pflegerischen Maßnahmen vorzuziehen.

Vorbild sein – Inhalt annehmen und Art und Weise klären

Wir wollen Vorbild, kongruent und glaubwürdig sein und wir müssen uns dieser Rolle auch bewusst sein.

Ein Bruch in dieser Authentizität ist z.B. wenn wir in eine Patientinnen-/Patientengruppe stoßen und sie bitten leiser zu sein, da der Lärm für andere Patientinnen/Patienten störend sein könnte. Gleichzeitig ist aus dem Sozialraum lautes Gelächter zu hören!

* sich der Vorbildwirkung bewusst sein

* kongruent sein, glaubwürdig sein

Wir leben noch immer in einer Gesellschaft die fehlerorientiert ist. Wir sehen sofort was falsch geschrieben ist oder nicht richtig gemacht wurde, übersehen jedoch oft, welche Mühe sich der Mensch mit den Dingen gemacht hat.

So ist es mir ein Bedürfnis  Carl Rogers und das aktive Zuhören noch um diese Punkte zu erweitern:

* Emotion vor Information

* Zuvor Gesagtes wiederholen und bei Unklarheiten nachfragen

* Verstehen und verstanden werden

Konsequent sein

Oft geht es im Zusammenleben (somit auch auf Stationen im Krankenhaus) nicht anders und man muss die Forderung stellen, dass Stationsregeln eingehalten werden.

Aber man soll beachten: „Das Verhalten bestimmt die Konsequenz“. Eine ausgesprochene Konsequenz muss durchgeführt werden. Darum Achtung mit der ausgesprochenen Konsequenz.

Wenn ich in Situationen komme, bei denen ich über die nun folgenden Konsequenzen informiere, und diese dann nicht durchsetze, bin ich nicht glaubwürdig. Das Gegenüber erkennt, dass ihr/sein Verhalten ohne Konsequenz bleibt – es kommt zu keiner Lernerfahrung.

Hier hilfreiche Punkte dazu:

* Zeitnah und personenbezogen aussprechen,

* Rahmenbedingungen klären

* Kurze Dauer – lange Wirkung, lange Dauer – kurze Wirkung

Verhalten, nicht Personen werten

Das Thema Betreuung, Pflege oder auch Behandlung schließt ein, dass wir als oberste Geisteshaltung Respekt vor der Person haben.

Ob Patientin/Patient, Klientin/Klient, Besucherin/Besucher, Angehöriger oder Kollegin/Kollege, … spielt keine Rolle. Der Mensch als solches wird wertgeschätzt, wahrgenommen und natürlich respektiert.

Im Umkehrschluss können wir mit jeder Aussage, die wir einem Menschen gegenüber treffen nur sein Verhalten meinen. „Wenn mit mir geschrien wird, macht mich das unsicher“ und nicht „Sie machen mich unsicher“!

* Person wertschätzen

* Rückmeldung geben, wie das Verhalten wirkt

Differenzierte Aufmerksamkeit

Es gibt im Zusammenleben viele Regeln und Normen, niedergeschrieben oder nur ausgesprochen, an welche wir uns halten sollen. Ehrlich, wer kennt in seinem Arbeitsbereich alle diese Regeln? Hausregeln, Stationsregeln,… und halten wir uns immer an alle?

Regeln sind für das Zusammenleben wichtig. Aber jede Regel kann in einer besonderen Situation auch gebrochen werden. Es geht darum, das wir klar selektieren sollen, ob eine Regel jetzt notwendig eingehalten werden muss (um 07:00 Uhr dürfen Sie die Station verlassen und jetzt ist es erst 06:58 Uhr)

* Wahrung des Handlungsspielraumes

* Reglementierung nur bei Gefahr in Verzug

* Eigene Verhaltensvorstellungen nicht als Maßstab nehmen

Alternativen anbieten

Durch Informationen und Wahl-Möglichkeiten können Konflikte schon im Keim erstickt werden.

Dazu ein Beispiel: Eine nahezu volle Station und es gibt nur noch zwei freie Betten, beide in einem Mehrbettzimmer. Information und Möglichkeiten: „Sehr geehrter Herr XY, wir haben nur noch zwei Betten frei. Sie können wählen, ein Bett ist beim Fenster und das andere näher zur Tür!“

* Möglichkeiten müssen vorhanden und bewusst sein

* FlexibilitätSelbstbestimmung respektieren/fördern

Was lernen wir daraus

Eine Aussage von Mahatma Gandhi:
„Sei du die Veränderung in der Welt die du sehen willst!“

Merksatz: Ungeachtet der Einflussfaktoren/Einschränkungen eines Menschen gelten die Kommunikationsregeln, die von Respekt, Augenhöhe und Wertschätzung geprägt sind.

Sich der oben angeführten Punkte und Umgangsformen bewusst zu sein ist der erste Schritt zur Umsetzung.

Hierfür brauchen wir unsere Wahrnehmung und unsere Wirkung auf andere.

Tausende wenn nicht Millionen Menschen haben einen Apfel von einem Baum fallen sehen, doch nur Newton hat gefragt, Warum?!

Positive, direkte Formulierung

Ein Schild mit einem durchgestrichenen Skateboard im Park ist ein gut gemeintes Verbotsschild. Die Bilder die bei den Menschen im Kopf entstehen sind jedoch – „Ah, ein Skateboard!“

Beim Satz: „Laufen Sie nicht so schnell“ wird „Laufen“ und „schnell“ gehört.

Wir können diese Informationen auch umwandeln, in „Geh langsam“! Das braucht Übung!

* Sagen was zu tun ist, nicht, was nicht zu tun ist

Beantwortbare Fragen stellen

Was wir nicht alles von unserem Gegenüber wissen wollen!

Wie schnell könnten wir bei Problemen die richtige Lösung anbieten, wenn wir die Ursache jedes Problems mit einer einzigen Frage bzw. Antwort herausfinden könnten. Jedoch ist uns selbst und auch unserem Gegenüber die Ursache oft nicht ersichtlich. So bedarf es behutsam, Schritt für Schritt, in die gewünschte Richtung zu fragen und zwar durch:

* Zeit geben

* Fragen ohne Vorwissen

* Fragen, die das Gegenüber betreffen

* Nicht mehrere Fragen gleichzeitig stellen

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Zum Autor

Manfred Konlechner ist Kommunikationstrainer und Trainer für Deeskalations- und Sicherheitsmanagement. Manfred steht jederzeit für Fragen und Informationen zur Verfügung.