Sicherheitsboard

für Gewaltprävention und Aggressionsmanagement

Was kann ein Sicherheitsboard bewirken?

Der Wiener Gesundheitsverbund hat sich mit seinen ca. 30.000 Mitarbeiter*innen 2018 entschieden, die Strategien zur Gewaltprävention am Modell der „sicheren Institution nach Leadbetter“ zu orientieren.

Die Vorbereitung und Umsetzung zeigte auf, wie komplex ein solcher Prozess in einer Organisation ist und wie dieser auf eine langfristige Entwicklung angelegt werden muss. Das Projekt ist eine zeitgemäße Antwort eines Unternehmens im Sinne der Gewaltprävention und des Sicherheitsmanagements.

Ausgangspunkt für das Projekt

Trainer*innen für Deeskalations- und Sicherheitsmanagement werden seit 2004 im Wiener Gesundheitsverbund ausgebildet und sind in allen Bereichen der Kliniken und der Pflegewohnhäuser im Einsatz. Unter Einbezug der Trainer*innen für Deeskalations- und Sicherheitsmanagement und der Personalvertretung hat sich die oberste Geschäftsführung des Wiener Gesundheitsverbundes 2018 entschieden, das Thema Aggressionsmanagement und Gewaltprävention als Führungsverantwortung wahr zu nehmen.

Im Zuge dieser Entscheidung wurde ein zentrales Sicherheitsboard gegründet, welches die Aufgabe hat, ein Konzept zu erstellen, umzusetzen und zu implementieren.

Frauen arbeiten miteinander

Ziel ist eine sichere Institution

Das Funktionieren einer durchgängigen Kommunikationsstruktur, von oben nach unten wurde durch die aktive Mitbeteiligung von Personalvertretung, Vorstandsbereich, Qualitätsmanagement, Klinikleitungen und Trainer*innen/Berater*innen für Deeskalations- und Sicherheitsmanagement sichergestellt.

Im Rahmen des Projektes wurden unternehmensweit Richtlinien gegen Gewalt am Arbeitsplatz im Gesundheitswesen formuliert. Das standardisierte Erfassen von Aggressionsereignissen wird empfohlen und sollte Basis aller weiteren Vorgehensweisen im Rahmen der Gewaltprävention sein. 

Die Resultate und Analysen beziehen sich auf die Prävention im Rahmen der Bereiche des Personalmanagements (betriebliche Gesundheitsförderung, Arbeitnehmer*innenschutz, Personalentwicklung, etc.) und des Qualitätsmanagements (Qualitätssicherung, Risikomanagement, Betriebsorganisation, Patient*innenrechte etc.).

Wichtig ist es Insellösungen der diversen Organisationseinheiten zu einer unternehmensweiten Strategie zusammenzuführen und Innovation gegen Gewalt als integrativen Bestandteil der unternehmensweiten Gesamtstrategie zu definieren und anzuerkennen. Von der Geschäftsführung wurde dazu ein Strategiepapier verfasst, unterzeichnet und präsentiert.

Es betrifft alle Bereiche einer Institution

Verschiedene Berufe

Zur Integration von Best Practice Empfehlungen und Methoden empfiehlt es sich in den Institutionen sogenannte Sicherheitsboards einzurichten, die sich aktiv mit Gewaltprävention und Sicherheitsmanagement auseinandersetzen. Alle Teilorganisationen und Berufsbereiche (Technik, Verwaltung, Medizin, Pflege) sollten darin vertreten sein.

Dies bedeutet, dass sich diese Boards aus Mitarbeiter*innen unterschiedlicher Bereiche wie Gesundheitsberufe, Technik, Verwaltung, Personalvertretung, Arbeitssicherheit und Trainer*innen/Berater*innen für Deeskalations- und Sicherheitsmanagement zusammensetzen.

Welche Themen werden ins obersten Management weitergeleitet?

Die Zusammensetzung bringt zum Ausdruck, dass die Themen Aggression-, Gewalt- und Sicherheitsmanagement die Mitarbeit aller Berufsgruppen erfordert.

Sie bearbeiten und erfassen Sicherheitsagenden in den einzelnen Klinikbereichen. Veränderungen und Trends werden wahrgenommen. Es erfolgt eine erste Erfassung und Bearbeitung. Erfahrungen werden gesammelt und weitervermittelt und es wird beraten, ob dies relevant für die Gesamtunternehmung sein kann.

Erarbeiten von Strategien

Im eingerichteten Sicherheitsboard für Gewaltprävention und Aggressionsmanagement des Wiener Gesundheitsverbundes erarbeiten Expert*innen klare Strategien, welche in den Bereichen zu einem sicheren, gewaltfreieren Arbeiten beitragen. Diese Empfehlungen werden dem obersten Management (Geschäftsführung) vorgetragen und betreffen:

  • Erarbeiten eines Sicherheitskonzeptes
  • Zusammenarbeit mit Forschungsbereichen z.B. Fachhochschulen, Universitäten, Vereine
  • regelmäßige Datenerhebungen von tatsächlich stattgefundenen Aggressionsereignissen mit anerkannten Erhebungsinstrumenten, um sogenannte „Hotspot“ Bereiche zu identifizieren und Schulungskonzepte und Ablaufprozesse anzupassen
  • Implementierung von standardisierten Erhebungsinstrumenten auf EDV Basis bis hin zu einem umfassenden Sicherheitsmanagement und Sicherheitskonzept
  • Festlegung der Anzahl der benötigten Trainer*innen und Berater*innen für Deeskalations- und Sicherheitsmanagement im gesamten Wiener Gesundheitsverbund
  • Festlegung von Schulungsinhalten und -intervallenSicherung der psychologischen Nachbetreuung nach Aggressions- und Gewaltereignissen
  • baulichen Rahmenbedingungen und Maßnahmen
  • Reflektierte Zusammenarbeit mit Polizei, Sicherheitsbegehungen zur Identifizierung von Sicherheitslücken
  • Abklärung von rechtlichen Fragen wie dem Anfordern von Sicherheitspersonal im Ernstfall
  • Erstellen von Handlungsabläufen im Ernstfall, ähnlich einem Katastrophenplan – vom Ereignis bis zur Nachsorge, Nachbesprechung

Managementstrategie

Das Arbeiten mit Sicherheitboards in den Kliniken und in den Pflegewohnhäusern unter Einbezug aller Berufsgruppen bringt die Unternehmung in eine Strategie des Agierens anstatt des Reagierens.

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